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Blog 10 Schwarzafrika
ab Dakar im Senegal, nach The Gambia wieder in den Senegal, durch Guinea Bissau und Conagry, den ärmsten Ländern an der afrikanischen Westküste nach Sierra Leone - Freetown

Schwarz Afrika

von Dakar bis Freetown

durch Senegal, The Gambia, Senegal, Guinee Bissau, Guinee Conakry nach Sierra Leone

 

Zwei Wochen Citydschungel in Senegals Hauptstadt

Im Verkehrsgewühl hüpfe ich mit Biki rum, von einem Ende der Stadt zum anderen um Aufkleber für meinen Reisepass zu sammeln.
Für die fünf Visa und ein paar Rad-Ersatzteile brauche ich fast zwei Wochen und 500 Stadtkilometer.

Mittlerweile habe ich mich richtig eingelebt in dieser lustigen Großfamilie um Ulrike. Ich bin am westlichsten Punkt Afrikas angekommen. Sascha Hermann mein Computerretter stellt sogar fest dass ich dem Amazonas näher bin als dem Kilimandscharo.

Volles Familienleben, fast ein bisschen wie einst bei uns zuhause. Jeder macht was er will und abends wird gemeinsam auf dem Boden Abendgegessen. Eine riesige silberne Schale meist mit Reis und Fisch, auf dem Boden und wer nicht schnell genug zuschlägt bekommt nichts. Sogar die Papageien sind beim Essen mit von der Partie.

Zwei eigene Kids und drei weitere Jungs die mit das Haus beleben. Dazu ein Schäferhund, eine Katze und die Schreihälse, die Papageien, noch zwei Haushälterinnen und der Mann des Hauses.

Zwischen drin wusle ich rum, meine neuer Freund ist Ronny, der Schäferhund. Täglich mache ich die Hunderunde. Das ist Afrika; die reicheren Wohnhäusern mit Wachpersonal, in den Straßen Bretterbuden oder nur ein Wellblech über dem Kopf die arme Bevölkerung, oft Illegale, keine Senegalesen.

Viele Kids die vor Ronny Angst haben und eine Hündin die vom ersten Tag an die Hunderunde immer mitkommt.

Die Jungs zocken Computer oder spielen Fußball auf der Dachterrasse. Keine zehn Meter weiter können sich die Kids nicht mal den Fußball leisten.

Eine lustige Familienrasselbande für die das nächste Abenteuer direkt vor der Tür steht.

Wohl noch bevor ich dazu kommen werde diesen Blog zu schreiben und ins Netz zu stellen geht es für Ulle und Familie ab nach Thailand – Bangkok. Kein Urlaub – Der Umzug mit einer Mischlings-Familie mitten ins Zentrum Südostasiens.

Langsam finde ich mich in Dakar zurecht. Über 400 Kilometer durch die Stadt gewuselt, fünf Botschaften und x Rad Läden abgeklappert Ich bekomme alle nötigen Visa wenn auch zu einem Wucherpreis!! Für die Fünf Stempel im Reisepass zahle ich 600 Euro.

Von der Hitze und den Abgasen habe ich schon richtig Kopfschmerzen. Dabei hat Dakar in der City gar keine Industrie. Durch die Küstenlage und dem Wind wird der Smog recht schnell weggeblasen. Trotzdem ein Verkehrssmog und Chaos vom feinsten, wie man es sich in Europa nicht vorstellen kann. Entgegengesetzt übern Kreisverkehr oder inmitten der Verkehrsinsel einen Motorschaden reparieren. Im Rennen mit den Mopeds, Slalom um die Autos oder ab durch die Mitte. Und im ganzen Gewusel immer noch Pferde und Eselwagen. Auf dem Weg zu den Botschaften radle ich täglich den Flughafen runter, vorbei an dieser neuen riesigen hässlichen Bronzestatue, mich erinnert sie mehr an russische als afrikanische Kunst. Spannender finde ich den alten Leuchtturm an der Küste. Zweimal radele ich den Hügel rauf. Der Leuchtturmwärter zeigt mir fröhlich den Turm und die Lampe und die Anlage. Hier oben hat man definitiv den besten Blick über die ganze Stadt. Ein toller Panoramablick umgeben von frischem Seewind.

Hier ist das Wasser am Strand so sauber das man sogar in die Wellen springen kann ohne Angst zu haben gleich die wildesten Infektionskrankheiten zu bekommen. Am Strand tummeln sich Menschenhorden um gemeinsam Fußball zu spielen oder Sport zu machen.

Da war das erste Visa von Guinea Bissau echt ein Schnäppchen: nur 35.000 Cefa, gut 50 Euro. Morgens rein -mittags raus. Ja und man lernt nie aus, inzwischen weiß ich dass es gleich drei Mal Guineas in Afrika gibt! Durch zwei komme ich bald.

Das letzte Visa das ich beantrage kostet 90.000, das sind hundertvierzig Euro! Dazu will der Botschafter sogar noch einen persönlichen Brief warum ich nach Liberia will. Bis ich den Laden mit der amerikanischen Flagge gesehen hatte! Ja schaut mal bei Google und vergleicht die amerikanische mit der liberianischen Flagge. Die haben den Einundfünfzigsten Stern. Also rein ein den Laden mit den Rotweisen Streifen und dem einen Stern und muss feststellen das ausgerechnet heute der liberianische Feiertag ist. Alleine bis ich diese gefunden habe ist auch ein guter Tag vergangen, weil beide angegebenen Adressen schon wieder veraltet waren und man mit der Botschaft ganz frisch umgezogen ist, und so was wird hier nicht so schnell weitergegeben wie bei uns.

Hier in der Botschaft treffe ich noch einen Radler aus Frankreich der auch nach Südafrika will.
Jean Baptistes Rad steht 200 Kilometer nördlich von Dakar, er wollte sich den Großstadt-Bike-Spaß nicht geben. Aber unser Plan ist sich irgendwo auf der Piste mal zusammenzuschließen.

Ich verabschiede mich von den Odramas, Ulrike den Kids und Tierchen.

Beck on the Road.

Ich folge dem Küstenstreifen, Berg und Talfahrt vorbei an vielen kleinen netten aber auch dreckigen Fischerdörfchen. Dazwischen tollste Sandstrände und Touribungalows.

Es ist Mangozeit, unter den Bäumen der Dörfchen werden körbeweise Mangos angeboten.

Kiloweise ernähre ich mich von Mangos, den kleinen Gelben und größeren Grünen. Später Richtung Guinea kommen noch die roten dazu. Je später die Mango Ernte desto Größer die Dinger, zum Schluss schaffe ich gerade noch vier, fünf Mangos; den Monstermangos mit bis zu zwei Kilo – der Größe einer Ananas.

Ich folge der Küste Senegals ein Stück ins Hinterland, wo die Hitze schon fast unerträglich war. Es wird langsam schwüler, ich komme bald in die Regenzeit. Die letzten Kilometer vor The Gambia von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Hatte ich nicht einen Platten durch die komplette Sahara, jetzt gleich drei Stück. Immer Morgens nachdem ich mein Lager im Gebüsch abschlage und wieder auf die Straße schiebe. Zwei Tage eine sandige Straße Richtung Gambia. Hier auf der Wellblechpiste reißt meine hintere Sattelasche auch noch ab. Aber he, bis heute konnte ich alles richten. Mit meinen Zurrgurt improvisatorisch fixiert um am Morgen darauf mit Spucke und neuen Schräubchen wieder aneinandergeheftet. Zudem gab es in den letzten Orten nicht mal mehr eine Bank, so dass ich in meiner Not Euro rauskrame um sie gegen ein paar Cefa einzutauschen. So ganz ohne lokales Geld möchte ich dann doch nicht an der Grenze auftauchen.

Durch die Reparaturarbeiten und der Suche nach jemandem der mir fünfzig Euro tauscht, ist es Mittag ehe ich an der Grenze zu Gambia stehe.
He da mag mich einer. An der Grenze bekomme ich völlig problemlos ohne einen Cent zu Zahlen meinen Einreisestempel. Beeindruckt von meiner Story wünscht mir der Beamte eine spannende Reise und gute Weiterfahrt.
Aber so schnell geht’s dann doch nicht. Ein Schnüffelzollbeamter will jetzt den Inhalt aller meiner Taschen sehen. Normal Procedure sagt er.

Da kommt meine Küche dran, mit Kocher, Töpfen und Gewürzen, jedes Döschen einzeln. Computer, Klamotten, Zelt alles wird genauestens inspiziert. Als wir bei meinem Kulturbeutel ankommen wird’s lustig. Kondome, he, wofür man die wohl braucht.

Aber der Funken fliegt dann ausgerechnet bei meiner Haarbürste über. Ich behaupte sie ist Magic, die ploppt wie ein Igel aus. Er erschrickt völlig und die Beamtin nebenan bekommt einen Lachanfall.

Hätte auch schief gehen können – so ist der Knoten gelöst, ich darf meinen Kram wieder einpacken, ohne meine letzte Tasche mit all den Medikamenten auszukramen.

Endlich rein nach The Gambia, es sind eigentlich nur knapp fünfzig Kilometer durchs Land und dahinter beginnt wieder der Senegal. Aber dazwischen eben der Gambia Flusslauf.

Ganz im Süden eine Seitenroute, am Atlantik, auf der ich Richtung Hauptstadt fahre. Es ist deutlich grüner geworden, grüner und feuchter. Ja ich nähere mich dem Regengebiet. Erst mal warten auf die Fähre, zwei Stunden im Schatten der LKWs und dann noch eine Stunde fürs Beladen und Überfahrt, für gerade mal vier Kilometern übers Gambia Delta. Ein langer Tag der nicht enden will, am frühen Abend erreiche ich Serekunda. In Fajara suche ich Steve – oder besser Heiner, einem deutschen Automechaniker, dessen Adresse ich von den Englischen Overlandern aus Nuakschott hatte. Es ist spät, dreimal durcheier ich kilometerlang die Straßen. Hoch und runter, jeder Taxifahrer schickt mich in eine andere Richtung, dabei hab ich eine fast richtige Adresse! Ich gebe es für heute auf, brauche Geld jetzt aber keine Cefa sondern Gambia Währung. Auf der Bank ziehe ich mir 200 Gambia Dollar. Im Supermarkt bekomme ich gerade eine Limo, Nudeln und Eier dafür.

Ich verziehe mich Richtung Strand, zwischen den Hotels eine Wechselbude. Ein Rastaschopf lädt mich zum bleiben ein. Hier auch die Erklärung: 200 Gambian Dollar sind gerade mal fünf Euro Toll und dafür zieht mir meine Bank nochmal vier Euro Transfer ab. Aber das hat man davon wenn man in ein Land radelt und den Wechselkurs nicht kennt. Yankuba, mein neuer Rasta Freund, auf seinem Handy hören wir noch bis tief in die Nacht Bob Marley, dabei kommen jede Menge lustiger Gestalten zu Besuch und ziehen weiter. Am Morgen ein gemeinsames Frühstück, auch er ist ein Fan von Tataja, einem Tee-Zuckergemisch. Der Grund warum soo ziemlich viele wohl schlechte Zähne haben. Ich mache Kaffee Europa.

Ich mache mich auf die Suche. Ja, geholfen wird einem. Jetzt kennt fast jeder die Autowerkstatt des Deutschen, aber hier arbeitet eben keiner abends, macht wenig Sinn weil der Strom fürs Licht fehlt.

Heiner, ein uriger Deutscher, schon seit Jahren hier eingesessen; er bildet afrikanische Jungs zu Automechanikern aus.
Ja, im Gegensatz zur Straße wird hier nicht mit Hammer und Meißel, sondern mit Werkzeugen gearbeitet. Schon fast europäischer Standard, abgesehen von dem Stromausfällen und der Ersatzteillage.

Aber das erfordert eben ein besonderes Gespür für Improvisation, aber nicht einfach die Haudrauf Methoden der Afrikaner. Ja, ganz ohne Kenntnisse werden Autos hier mitten am Straßenrand auseinandergeschraubt und irgendwie wieder zusammengeschustert, Hauptsache die Kiste rollt.

Da wird schon mal die Reifenspur so verändert, dass die Räder immer bremsen, weil man die Bremse nicht mehr hinbekommt oder Ersatzteile fehlen. Ein Reifen und Benzinverschleiß hoch zehn.

Heiner, ein Mann der Taten stellt mir Steve vor, von dem ich ja dachte er sei der Herr des Ganzen.

Steve, ein Junges Kerlchen Anfang zwanzig ist hier mit seine Familie gelandet, Palme und Jenny.

Zusammen schrauben wir meine Federgabel auseinander und holen den Rest Saharaschmodder raus. Immerhin gibt es in einem Geheimversteck noch richtig gutes synthetisches Motorradgabel Öl.

Als Palme, Steves Vater, bei seinem Kumpel Heine vorbeischneit lädt er mich sofort zu sich ein.

 


Palme: noch nie habe ich so viel Spaß mit einem Türsteher gehabt

Kein Verkäufer oder Verkäuferin ist vor uns sicher. Palme: eine echte Flohmarkt Koryphäe, nichts was man nicht runterhandeln kann. Meist haben wir mehr Spaß als die Händler. Lustigen Menschen wird dann immer eine kleine Stickerpalme aufgedrückt, oder bevor es zum Geschäft kommt eine kleine Extraüberraschung zum Spezialpreis versprochen. Was in dem Land auch wieder mir etwas zugutekommt ist das man hier englisch spricht. Aber das ist eh ein bunte Sprachgewurstel in Guinea Bissau eine Art portugiesischer Slang, und in The Guinea wieder Französisch, wobei der jetzige Präsident auf Englisch setzt.

Ja, der Typ heißt wirklich so. Anfangs hatte ich es auch für ‘nen Gag gehalten, aber hier ist Palme Programm, in seiner Kunst und allen Details des Lebens, sogar im Personalausweis vermerkt.

Klasse sind seine tausende Palme Miniaufklebern mit den ich auch ausgestattet werde.
He, die Dinger funktionieren wirklich, inzwischen habe ich sie anstelle von Bestechungsgeldern den Grenzsoldaten als Special Caudeau aufgedrückt, oder mal gegen Mango getauscht, weil ich gerade kein Kleingeld hatte. Sogar ein ganzes Mittagessen, weil ich keine meine Franc gegen Guinea Dollar im Urwald tauschen konnte.

Zusammen mit Palme seiner Karre aus Indiana Jones, echtes Safarifeeling in Gambia. Wir besuchen die Alligatoren und transportieren die halbe gambianische Armee hinten auf der Ladefläche durch die Stadt in dem Toyota Landcruiser, der so alt ist wie ich.

Aber auch für diese Familie heißt es Abschied nehmen, schon in zwei Wochen wollen die im Flieger nach Deutschland sitzen und einen kompletten Neustart wagen. Alles was sie besitzen bleibt hier in Gambia.

Nach vier Tagen geht’s auch für mich weiter, jetzt mit einem Förderbrief einer NGO von einem Pastor der Schulprojekte hier und Nigeria organisiert. Auch einer Palmes Kontaktpersonen und Ideen.

Alleine für vier Seiten Farbausdruck kann man hier eine kleine Odyssee abfahren. Zu Hause gibst keine Druckpatronen mehr, im Copyshop dann Strohmausfall beim Drucken, oder überhaupt erst mal gutes dokumentechtes Papier zu bekommen.

Ja das was man in fünf Minuten in Schland erreichen könnte ist hier in zwei Stunden nicht passiert.

Palme ist spitze, immer neue Ideen im Kopf. Nein, mit so einem wird es nie langweilig und ich werde die abendlichen Mau-Mau runden draußen im Kerzenschein vermissen.

Aber ich habe ja ein Ziel: Ich will irgendwann mal in Südafrika ankommen, auch wenn ich hier mit Palme und Familie noch Wochen verbringen könnte.

So ziehe ich weiter mit dem Förderbrief und ‘ner Tasche voll Palmensticker.

Noch ein kleines Stückchen Gambia an der Küste lang und dann auf einem Pfad durch den Busch.

Einer kleinen Seitenstraße folgend die ich in meinem Navi eingetragen hatte. Auf der senegalesischen Seite ist sie wieder als Hauptstraße vermerkt.

Ich bin schon Teile am Schieben als mir ein joggender Soldat entgegen kommt, und meint die Grenze sei nicht weit. Da ist er auch schon, ein kleiner Grenzposten mitten im Sand.

Hier kommen auch gleich die ersten Palmen zum Einsatz, getauscht gegen einen Ausreisestempel.

Dazu Adressenaustausch und dem Versprechen beste Freunde fürs Leben zu sein

Jeder denkt wenn er nur eine Kontaktadresse oder Namen in Europa hat kommt er sofort rein.

Ich schiebe Biki weiter durch den Sand, noch ein paar gambianische Militär Jungs die Geld haben wollen und mir androhen mein ganzes Gepäck zu durchsuchen. Auch sie bekommen ein Palme und gut ist.

Bitte, wo ist die versprochene Straße auf senegalesische Seite? Nichts außer Sandlehmpiste. Zwar einigermaßen befahrbar, es kommt aber keine Grenzstation für meinen Einreisestempel.

Nur wieder ein Militärposten, mit der wagen Auskunft von 2 bis 20 Kilometern bis zur nächsten Gendarmerie.

Es wird Dunkel bis ich ca. 15 Kilometer weiter endlich auf eine größere Straße komme. So ohne Einreisestempel im Senegal gelandet, aber ich weiß: Später für die Ausreise brauche ich einen Einreisestempel.

Also der Hauptstraße zurück Richtung Grenze. Da hätte ich gleich auf der Hauptstraße bleiben können. Bei Nacht erreiche ich das Grenznest. Eine lange LKW Schlange und der Posten hat geschlossen. Für mich wird der zuständige Beamte aufgesucht der mir erklärt ich könne morgen ab 8 meinen Einreisestempel bekommen. Ich bekomme sogar einen Raum zur Unterkunft bereitgestellt.

Mit 8 Jungs und Kids löffele ich eine Art Milcheis aus Couscous. Ein süßer, leckerer Milchschleim. Es ist mir fast peinlich aber ich esse fast die gleiche Portion wie die acht Kerlchen zusammen. Aber vielleicht hatten die ja schon was vorher. Ja, diese Aktion war ganz schön hungerzehrend.

Wie versprochen bekomme ich morgens völlig problemlos den Stempel, Anerkennung das ich da durch den Busch den Weg in den Senegal gefunden habe und das es tatsächlich keinen Grenzposten auf senegalesischer Seite gibt, nur den von Gambia.

Ich bin im Gebiet der Kasamos, hier ist Senegals grünes Herz, die Sahelzone jetzt komplett hinter, mir grüner Regenwald. Noch ohne Regen. Aber ich weiß, ich werde sehr bald mitten in die Regenzeit rein radeln.

Ein verträumte Straße; alle paar Kilometer versperren Holzstämme oder große Autoreifen zur Fahrbahnverengung links und rechts die Fahrbahn, so das Autos und LKWs gerade mit Schrittgeschwindigkeit sich durchschlängeln können. An jedem zweiten, dritten Haltepunkt Militärs die ein paar Cefa wollen. Ich als Radler komme ganz gut davon, nur zwei Mal werde ich gestoppt, ein einziger der meine Personalien und ein paar Cefa sehen will. Natürlich bekommt er eine Palme.

Durch diese Verkehrsdrosselung ist die Straße traumhaft zu fahren. Keine rasenden Autos oder LKWs. Links und rechts werden aufgeschnittene Mangoscheiben getrocknet.

Der Schlachtruf der Kids seit Gambia ist „Tuback“ was die Bezeichnung für Weise seit der Kolonialzeit ist.

Unglaublich wie ausdauernd die in ihren Flipflops neben mir her rennen können. He, die spielen sogar richtig gut Fußball in den Schlappen, mich hätte es wohl schon zehn Mal auf die Fresse gelegt, ich kann in den Dingern nur begrenzt gut laufen.

Über Zwei drei riesige Brücken der Kasamos Flussläufe, ich erreiche Guinee Bissau. He, die sprechen sogar etwas englisch, mir wird erklärt dass ich nur ein Single-Entry-Visa habe und mir doch bitte genau überlegen soll ob ich jetzt ins Land will.

Gibt es einen Haken an der Sache? Keine Ahnung, aber ja, natürlich will ich durch Guinea Bissau.

Ich weiß, es ist eines der ärmsten Länder. Kurz hinter der Grenze der erste Eindruck: Die Straße ist OK aber die Fahrzeuge werden abenteuerlicher.

He, Afrika müssen die Kisten nur laufen und werden dann so hoch beladen das es einem schwindelig wird. Echt unglaublich das diese alten Karren das mitmachen. Aber genauso hoch ist eben auch die Ausfallrate. Keine zwei drei Kilometer wo nicht irgendein LKW/PKW vollbeladen kaputt hängenbleibt. Das gehört zum Straßenbild dazu.

Immerhin, in den meisten Dörfern neben der Straße erkenne ich einen gut gebauten Brunnen. Hier hat wohl irgendwann eine NGO mal was vernünftiges erstellt. Das Wasser vertrage sogar ich.

 

Weiterhin überall Mangos die immer Bunter und größer werden und Cashewnüsse angeröstet.

Dafür kostet eine Flasche Wasser und Limo über einen Euro.

Noch am ersten Tag in Guinea mein erster echter Defekt an Biki abgesehen von Plattfüßen.

Ich wundere mich schon eine Stunde lang das ich keinen runden Tritt mehr habe und dann blockiert die Kette komplett.

Am Schaltwerk hat sich das Kugellager des Schaltröllchens festgefressen.

Neben der Straße im Palmenschatten zerlege ich das Teil. Keine fünf Minuten und ich habe fünfzehn Zuschauer vom Baby bis zur Oma, alle kommen um dem Weisen beim Schrauben zuzuschauen. Jeder der mir helfen will, ich mit zwanzig Händen im Sand und die Kugeln des Lagers überall verteilt.

Unglaublich wie aufwendig diese verdammte Zahnrad aufgebaut ist. So richtig bekomme ich es nicht hin. Meine Lösung hält gerade mal drei Kilometer. Ich schiebe mein Rad von der Straße und beschließe mich morgen früh bei mehr Licht darum zu kümmern. Eine Notdürftige Operation, im nächsten Örtchen kaufe ich für vier Euro ein neues Schaltwerk, schraube die Röllchen raus und gebe dem verdutzten Verkäufer den Rest des Schaltwerks zurück. Das Röllchen ist zwar einen Ticken dicker aber tut hoffentlich seinen Dienst. Sooo einfach kann Technik. Im Gegensatz zu den Dichtungen, Kugellagern und Abstandshaltern vorher gerade mal ein Plastik Zahnrad das auf einer Metallhülse läuft. Gespannt wie weit ich damit komme.

Weiter durch die Wälder, ein zusammenhängendes grünes Land. Früchte die von den Bäumen fallen, ja sogar Mangos werden nicht mehr alle aufgelesen. Wie im Herbst bei uns zur Apfelernte. Sogar in den Dörfern liegen die überreifen Mangos auf dem Boden, oft zwischen Hühnern, Ziegen und Schweinen. Nachts, wenn ich im Wald schlafe, höre ich die ganze Nacht das fallen von Früchten aufs Laub. Ein Neon grünes Chamäleon das Kaputt zu sein scheint. Jedenfalls kann es nicht mehr so toll wie das Wüstenchamäleon seine Farben wechseln. Egal wo ich es hinbegleite es behält sein Neon grün bei. Aber vielleicht ist es ja gerade die Modefarbe in Bissau.

Im nächsten Dorf, ich decke mich schon für abends mit Essen ein, ein Kerlchen das behauptet mit mir bis nach Bissau radeln zu wollen, mit einem einfachen Hollandrad. Eigentlich will ich gar nicht mehr so weit, der Tag war schon lang genug, aber er überredet mich mitzukommen.

Bei Dunkelheit erreichen wir Bissau, kurz vor der Stadt nimmt der Verkehr explosionsartig zu. Ein Stück Autoschnellstraße die sogar beleuchtet ist. Ansonsten gibt es in der Stadt keinen Strom.

Mahmud, ein etwas anstrengendes Kerlchen, er wohnt mitten im Stadtzentrum, ein Zimmer, kein Strom, kein fließendes Wasser. Nur ein Raum mit einem Regal mit Klamotten und ein paar Sachen. Und einer großen Matratze auf dem Fußboden. Der Raum dient auch gleichzeitig als Lagerraum für sein Geschäft.

So wohnen hier fast alle in dieser Stadt. Das Leben findet draußen statt, gekocht wir mit Holzkohle, nicht einmal Gaskocher/Gasflaschen die es gibt.

Die Toilette ist ein mit Wellblech abgetrennter Bereich im Innenhof mit einem in den Boden betoniertem Loch. Immerhin schwimmt hier nicht die Scheiße auf den Straßen. Gleichzeitig dient die Toilette auch als Dusche.

Tags drauf radeln wir zwei durch Bissau, nur wenige Hauptstraßen sind geteert. Kaum Strom, kein Internet und das in einer Landeshauptstadt. Die meisten Straßen mehr als Kaputt. Jeder Dirtjumper hätte Spaß mit seinem Mountainbike durch die sandigen welligen Gassen zu springen. So ohne Gepäck habe ich richtig Spaß durch die Stadt zu cruisen. Der Müll auf den Gassen wird von Hühnern, Ziegen und Schweinen beseitigt, eigentlich ein echt effizientes Recycling System.

Am interessantesten in der Familie ist sein Vater, vom Leben gezeichnet und im Krieg gerade so mit dem Leben davongekommen. Streifschüsse am Bauch, der Schulter und dem Handgelenk. Er wird von allen in der Gegend angesehen und respektiert. Immerhin liegt vor seinem Haus eine Stromleitung. Der Zähler vor Jahren schon abgeklemmt. Das ist der Grund warum keiner Interesse hat Strom zu produzieren, wenn keiner dafür zahlen will. Was bleibt ist seinen eigenen Strom mit einem Generator zu produzieren. Ja, dieses Land hat wohl schon bessere Zeiten gesehen.

Trotzdem, die Menschen machen einen fröhlichen Eindruck, mittags sitze ich in geselliger Jungs Runde, Mädchen werden nur abends mit aufs Zimmer genommen.

Überhaupt läuft das Leben sehr relaxt ab, es ist aber auch zu heiß für geistige oder körperliche Arbeiten draußen.

Keiner der sich überarbeitet.

Aber auch die Kids die eben nicht zu Schule gehen, wozu auch, wenn man nicht allzu viel fürs tägliche Leben braucht.

Ein aufschlussreicher Tag, ein Besuch bei seiner Freundin und seinem Junior – man wohnt nicht mit seiner Freundin zusammen, auch wenn man ein gemeinsames Kind hat.

Familie, ja die kann verdammt groß sein und „my Brother“ das sind dann alles anderen die man nur einmal kurz im Leben kennengelernt hat.

Schwer zu sagen wer da guter, bester, enger oder nur Freund ist. Ja, als Europäer ist es mir nicht möglich das alles zu er- und begreifen. Es ist eben doch eine ganz andere Welt.

Umgekehrt glaube ich dass die meisten hier niemals mit der Aktions- und Arbeitswut in Europa zurecht kämen. Die kennen nur die tolle Hollywoodwelt und wollen in das Amerika und Europe das sie aus Filmen kennen.

Jeder will meine Adresse und ist mein bester Freund, nur um eine Postadresse aus Deutschland, einen Bruder in Deutschland, zu haben. Sicher bin ich der Reiche, auch wenn ich nur mit einem Fahrrad unterwegs bin, über 99 Prozent der Bevölkerung hat wohl niemals eine Chance nach Europa, Asien oder Amerika zu kommen.

Raus aus Bissau Richtung Guinea Conakry

Die Landeshauptstraße meist im guten Zustand. Da es nicht zu viele Fahrzeuge gibt, bleibt die Straße eine ganze Weile erhalten. Abends erreiche ich Xieme, ein größeres Örtchen. Ich gönne mir eine Cola und Fleischspieße zum Abendessen, als ein Sturmtief aufzieht.

Da ist er mit voller Wucht, der erste Monsunregen am letzten Maitag. Seit drei Tagen waren schon immer mal dunkle Wolken da. Jetzt ein Regenschutt vom feinsten. Ich sitze im trockenen und schau zu wie alle auf der Straße wie aufgeschreckte Hühner hin und her rennen. Kids und Jugendliche haben ihren Spaß, sogar die ersten die anfangen durch den Regen zu joggen.

Der Schlagregen hört auf, aber nach zwei Stunden nieselt es immer noch. So komme ich nach Monaten der Trockenzeit mal wieder zu dem Vergnügen durch den Regen zu radeln und das Zelt im Nassen aufzuschlagen.

Ja welch ein Wunder, die Regenzeit hat begonnen. Vollkommen unvorhersehbar, wie das es abends dunkel wird.
Noch regnet es in unregelmäßigen Abständen, meist abends oder morgens. Jetzt beginnt man mit den Dichtung und Dachdeckerarbeiten. Aber auch die Gärten werden von heute auf morgen umgebuddelt und besät.

Der Regen hat die reifen Mangos von den Bäumen geblasen. Jetzt liegen tonnenweise Mangos wie Fallobst in den Straßengräben.

Am Ende Guinea Bissau nach Guinee Conakry schlage ich wieder eine Seitenstraße ein. Leute warnen mich schon dass kein Auto diese Route nehmen würde, aber gerade diese weniger bis unbefahrenen Wege sind viel spannender als der Hauptstraße folgend.

Ab in den Dschungel, drei Tage Buschtrommeln um mich herum.

Am ersten Tag noch auf der Bissau Seite eine größere Sandpiste. Hier irgendwo muss es einen Weg über die Grenze nach Conakry geben. Ein Pfad der so klein ist das ich zweimal daran vorbeischieße obwohl ich den Anweisungen der Bevölkerung folge. Für den Ausreisestempel muss ich durchs ganze Dorf ziehen, um alle Personen aufzutreiben die dafür zuständig sind mir den einen Ausreisestempel zu geben.

Der Beamte liegt völlig entspannt in der Hängematte, während irgendeiner mit dem Stempel, und der nächste mit dem Stempelkissen ankommt.

Jetzt werde ich entlassen, auf einen echten Dschungelpfad. Ja hier kommt wirklich kein Fahrzeug mehr durch, eine tief eingegraben Spur, meist ein Trampelpfad dem ich folge.

Keine Ahnung wo genau dieser Weg hinführt, er ist nur sehr ungenau auf meinem Navi vermerkt. Oder besser; ich liege vier Kilometer von dem Kurs den ich mal geroutet hatte.

Ich hoffe nur auf der Conagryseite eine Grenzstation zu finden die mir auch einen Einreisestempel verpasst, nicht das ich wie vor gut einer Woche den ganzen Weg zur nächst größeren Grenzstation zurück muss.

Aus dem ersten Dorf wilde laute afrikanische Klänge. Große Musikboxen von einem Generator betrieben über den Anschlag aufgedreht. Dazu die Kids und Dorfjugend die wild rum hüpft.

Ich nehme an das die alte Bevölkerung und Tiere sich tief in den Urwald verkrochen haben.

Aber von einem Grenzposten weit und breit keine Sicht.

Eine steile, steinige Abfahrt durch einen Flusslauf und auf der anderen Seite wieder hoch.

So zieht sich dieser Pfad die nächsten zwei Tage entlang. Abenteuer pur. Ja und da kommt sie, die Grenzstation. Fünf Strohhütten und ein paar junge Soldaten. Ich bekomme meinen Einreisestempel.

Ich bin wirklich eine ganze Ecke weg von dem was wir Zivilisation nennen würden, umgeben vom Regenwald und immer taucht mal ein kleines Dörfchen auf.

Nachmittags der erste Ort in dem auch zwei Fahrzeuge stehen, wieder Grenzsoldaten.

Ich versuche zu erklären dass ich schon einen Einreisestempel habe, hilft nichts das hier sei erst die offizielle Grenze nach Guinee Conakry und so bekomme ich einen zweiten Einreisestempel. Jetzt versteh ich auch den Vermerk Multiple Entry in meinem Visum, der eigentlich ja ganz anders gedacht ist.

Aber he, hatte ich vorhin noch Angst gar keinen Einreisestempel zu bekommen, jetzt habe ich zwei!

Und he, welcher Mountainbiker hat behauptet das die Kanadier die North Shore Trails erfunden hätten?

Die sollten mal hierher in den afrikanischen Busch kommen.

Steile Downhills die in giftgrünen Flussläufen enden oder auf Bretterpfaden durchs Gestrüpp, ohne zu wissen ob die Planken halten oder nicht. Riesige Termitenhügel. Lautes Vogelgezwitscher und überall Tiere die nach links und rechts ins Gestrüpp huschen. Umgeben von Moskitos, Faltern, Schlangen, Skorpionen.

Ein erstes Fahrzeug das mir entgegenkommt, aber für ihn hört der Weg dann auch schon wieder auf. Die Pfütze hier ist noch das kleinste Hindernis abgesehen von dem was dahinter auf ihn wartet.

Ein kleines Stückchen weiter ein auch für mich unüberwindbarer Flusslauf. Ein Kanu mit dem man zur Fähre rausrudert welche dann extra für mich angeschmissen wird.

Eher das Modell brauner rostiger Schwimmhaufen. Völlig marode Stahlseile, aber he, wie alle Technik hier, sie wird gerade so am Laufen gehalten. Die Fähre schafts auch nicht ganz ans Ufer, drei, vier Meter auf der linken und rechten Uferseite die man durchs Wasser waten muss um die Plattform der Fähre zu erreichen. Keine Ahnung was hier so alles rumfleucht.

Ab hier ist es eine fast annehmbare radelbare Piste. Immer mal ein ausgewaschenes Steilstück durch einen Bachlauf runter und auf der anderen Seite wieder hoch, aber alles fahrbar.

Die ersten Mopeds und vereinzelten Pickup Trucks. Ein richtig hartes Stückchen Arbeit für mich und Biki so mitten im Busch. Aber das ist ja was ich wollte. Nachts schwitzen im Zelt und hoffen auf eine Abkühlung durch den Regen. Ja, was das betrifft ist der Monsun sogar ein Segen.

Nach drei Tagen spuckt mich die Lehmpiste wieder aus.

Ich erreiche Boke, gut 250 Kilometer vor Conakry. Ab hier führt eine fette Bundesstraße Richtung Hauptstadt.

Es wird dunkel und ich habe immer noch keine Guinea Francs. Die Banken haben schon zu und einen Geldautomaten gibt es auch nicht. Wieder ist es ein Nigerianer der sich meiner annimmt. Kaba läuft mit mir durchs Dorf und im dritten Anlauf in einem kleinem Handyladen bekomme ich 20.000 Cefa gegen 270.000 Guinea Francs.

Ein riesiger Stapel mit 5.000er Noten, über fünfzig stück.

Für nicht einmal dreißig Euro hat man beide Taschen voll Geld. Kaba lädt mich zu seiner Bleibe ein, wir laufen ein ganzes Stück bis wir den Stadtrand erreichen wo er wohnt. Er erzählt mir seine Story: Wie er versucht hat mit einem gefälschten Visum nach Canada auszuwandern und damit auf dem Flughafen in Dakar aufgeflogen ist. Dort ein paar Wochen im Untersuchungsgefängnis, nun dem Rückweg von Dakar nach Nigeria, hier ist er als DVD Verkäufer gestrandet.

Als Nigerianer spricht er ein für mich so halb verständliches Englisch. Jeden Satz beendet er mit „Do you understand? Do you understand?“ – Nee nicht wirklich aber schon x- mal besser als die meisten Jungs hier.

Wir erreichen gerade seine Bleibe da fängt es aus allen Löchern zu regnen an. Super, die Sachen sind im Trockenen und jetzt machen wir es wie die Kids um uns herum und nehmen eine erfrischende Dusche da draußen im Regen.

Auf der Hauptstraße Richtung Conakry. Eine super ausgebaute Schnellstraße, nur die Brückenüberquerungen sind teils abenteuerlich wenn dann mal ein halber Quadratmeter Bodenblech fehlt und man durch die Straße in den Abgrund sieht. Endlich gibt es wieder günstig Bananen und Ananas. Langsam habe ich die Mangos satt. Abends finde ich immer wieder ein verstecktes Plätzchen zwischen den Dörfern. Klar, ab und zu wird man entdeckt aber meist erst morgens, und dann heißt es eh zusammenpacken, manchmal dauert es aber bis da der Kocher repariert, die Kette geputzt oder sonstige Teile gerichtet sind.

Drei Tage vor Conakry erwischt mich der Tropenregen auf weiter Flur. Was ein Wetter und Farbenschauspiel. Von der Seite die Sonne die alles Mega-Gift-Neon-Grün erstrahlen lässt, auf der anderen Seite tiefschwarze Wolken, ein kurzer Sturm, Blitze. Es kühlt ab und mit einem Schlag ist der Regen da.

Regenwolken ziehen blitzschnell auf, daneben lacht die Sonne und lässt den Dschungel als echten Regenwald erleuchten. Ein Windsturm und Blitze und es kühlt schlagartig ab. Eben noch durchgeschwitzt von der feuchtwarmen Tropensonne setzt jetzt der Monsun ein.

Hatte ich die letzten Tag das Glück das es nachts regnet, erwischt es mich jetzt am Nachmittag.

Es ist Dunkelgrau um mich geworden und ein echter Schauer beginnt. Nach fünf Minuten frösteln ist es angenehm und ich genieße die Dusche von oben. Eine gute Stunde echter Monsun Regen. Ich nur in T-Shirt und Radhose durch den Regen, dürfte danach so sauber sein wie schon lange nicht mehr.

Die Straße wie leergefegt. Viele Autos vertragen den Regen nicht, haben keinen Scheibenwischer oder keine Windschutzscheibe zum wischen.

Aber dann gibt es natürlich noch die ganz Harten. Pick Up mit zehn Leuten auf der Ladefläche die wohl alle am Zittern sind von Regen und Fahrtwind oder Motorradfahrer ohne Helm die sich die Hand als Regenschutz vors Gesicht halten.

 

Nach fünf Minuten biken im Regen wird es mir wieder warm, fast zwei Stunden hält der Schutt an. Bis abends bin ich wieder trocken.

Leider erwischt mich irgendeine Virus-Salmonellenvergiftung in der Nacht: Magenkrämpfe! Erst spucke ich mein letztes Sandwich aus und bekomme Durchfall. Alles darf raus. Völlig geplättet liege ich in den Morgenstunden im Zelt und die Sonne brät mich, im Schatten eines Termitenhügels Zuflucht gesucht, es hilft nichts. Heute schaffe Ichs nicht mehr wie geplant nach Conakry, schon nach zehn Kilometern in der Mittagshitze schlafe ich unter einer Palm ein und werde erst wieder gegen fünf abends munterer.

Noch ein Stück und gut 50 Kilometer vor der Stadt neben einer stillgelegten Eisenbahnlinie einen Schlafplatz gefunden, hier wird es schwieriger, so dicht an Conakry wohnt alles eng an eng.

Über die Seitendörfer radele ich in die Hauptstadt ein. Der Verkehr und Gestank steigen in einem nicht gerade erträglichem Maß, zumal ich mich noch nicht ganz fit fühle. Müde erreiche ich die Stadt, auf der Suche nach einer Bleibe treffe ich am Fischerhafen einen Jungen der mir sein Zimmer für 15 Euro die Nacht abtritt. Immer noch viel günstiger als die zwei Hotels. Ich verzichte noch länger in der Hitze ein Bleibe zu suchen und nehme das Angebot an.

 

Städte wie nach einem Krieg, Müllhäufen, Schutt, Schotterpisten. Conakrys echte Slums Blechhütten zwischen Fischgestank, Regen und Müll.

Trotzdem, überall wird Fußball gespielt, hier im Conakry auf kleine Metallgestelle, die als Tore dienen, mitten auf befahrenen Straßen. Links und rechts stehen Straßenhändler mit ihren mobilen Verkaufsbüdchen.

Ja, es ist schwer dieses Land, diesen Kontinent zu erfassen zwischen super bunt ausgelassenen Partys wo getanzt wird – ein eher rückgängiges Land, sowohl Guinea Bissau und Conakry haben wohl schon bessere Zeiten erlebt.

Alles wird mit stoischer Ruhe und Gelassenheit angegangen. Ein Motorschaden- dann wird halt gehalten und sooo lange rumgeschraubt bis es irgendwie weitergeht. Irgendwie eben.

In Bissau gab es gar keinen Strom, außer man hat ihn sich selbst mit Generatoren erstellt.

Hier in Conakry gibt es immerhin nachts Strom, wenn auch mit Schwankungen.

Guinea Bissau und Conakry die Landeshauptstädte. Dazwischen Urwald und das ganze in der Regenzeit. Ein einfaches, buntes Leben. Viele, viele Kids und Chaos pur. Afrikas Straßenkids. Ja, mit dem in die Welt setzen von Kindern haben es die Kerlchen hier, leider bleibt’s dabei. Erziehung, Schule und medizinische Vorsorge liegen ganz weit hinten. In der Weltarmutsstatistik belegen diese zwei Länder eine der ersten Plätze.

Froti Froti, Ich bin der reiche Weiße. Dabei sind manche Kids richtig aufgeweckt. Abends wird wild getanzt oder im Monsunregen ein Fußballtunier mitten auf der Straße zwischen Autoverkehr und dem Müll der auf der Straße schwimmt. Ja, Fußball ist ganz wichtig und groß. Viele der Kids schon echte Ballakrobaten, unglaublich was ein Ballgefühl die haben und oft spiele die sogar in Flipflops.

Auch wenn ich dieses Treiben spannend finde, der Müll und Dreck auf den Gassen laden nicht gerade zum bleiben ein.

Conakry - vielleicht nicht ganz so kaputte Straßen im Zentrum wie Bissau - aber genauso viel Müll.

Blechhütten die im Wind davonfliegen, Strommasten die dem Regen und Wind nicht Standhalten, umknicken. Und wenn Strom drauf wäre eine Todesfalle für viele.

Am Morgen an dem ich Conakry verlasse einer meiner neuen Freunde der mir die Ohren vollheult, das ich ihm noch 5.000 Cefa schulden würde, dafür das er mich die letzten zwei Tag genervt hat. Ich lasse ihn abblitzen, wie ein Hund rennt er mir noch eine ganze Ecke hinterher. Wirklich jeder, selbst die denen man was erklären kann das ich von einem Minimum lebe, schnorren einen an: Mal aggressiv oder versuchen es auf die Tränendrüse.

Es gib eine Schnellstraße raus, Autobahnmäßig ausgebaut. Trotzdem mehr Stopp als Go, riesige Märkte kilometerlang am Straßenrand. Ein Gewusel, immer wieder springt einer auf die Fahrbahn, LKWs die im Hitzegefecht liegenbleiben, jeder Kreisverkehr bring mehr Stillstand als Verkehrsfluss. Chaos wie es nur Afrikaner schaffen zu verursachen. Jeder Europäer würde versuchen mehr Raum, Abstand oder Sicherheit einzuführen. Oft geht’s keinen Meter voran sogar ich mit Biki muß öfters anhalten und warten bis ich weiter kann. Die Autobahn geht direkt in eine Lehmpiste über, jetzt halten Schlaglöcher und Matsch den Verkehr auf. Ein Transporter der mitten auf einer Brücke liegenbleibt blockiert den gesamten Verkehr Stadt ein- wie auswärts.

Bis ich es aus Conakry raus schaffe bin ich Schweiß und Adrenalin gebadet, gepudert vom roten Sandstaub. Zudem bin ich körperlich nicht auf der Höhe. Unter meinem T-Shirt lauter Pusteln, es juckt wie die Sau. Einem Ausschlag von den ich noch eine ganze Zeit was habe. Ich schlafe wie ein Fakir auf einem Nagelbrett.

Abends endlich so weit draußen das wieder Waldflecken zwischen den Dörfern sind.
Ein Plattfuß, super das bei Einbruch der Dunkelheit. Aus dem schnell flicken wird nichts, umgeben vom halben Dorf brauche ich drei Anläufe den Schlauch zu flicken. Alle drei Ersatzschläuche haben durch die Transportbox Schaden erlitten.

Es ist stockdunkel, der Dorfpatron lädt mich ein, nimmt mich in seiner Hütte auf. Ein Teller Reis und scharfes Gemüse mit ein paar Brocken Fisch. Das was alle hier essen. Eine wirklich nette Atmosphäre, mit meinem Laptop zeige ich einer Schar Kindern, Jugendlicher und Erwachsener um mich. Hände und Füße zur Verständigung.

Morgens verabschiede ich mich vom ganzen Dorf, alle kommen um sich zu verabschieden. Ich bekomme zehn Telefonnummern, aber eine feste Adresse hat diese Ansammlung von ca. zehn Hütten nicht.

Eine mal mehr mal weniger gut befahrbare Teerstraße nach Sierra Leone. Achterbahnfahrt durch den Dschungel. Ab und an ein Polizeistopp die Gelder wollen. Wo denn meine Fahrradpapiere sind. Mit so viel Gepäck und als „Froti“ – Weißer hätte ich die zu haben. Klar, nettes grinsen und eine Palme helfen.

Die letzten Kilometer raus eine ganz neu gemachte Straße. Um meinen Ausreise Stempel zu bekommen sind es gerade Mal drei Stopps. Für den Einreise Stempel erster halt beim Zoll, dann ein Polizeistopp, ein Militärstopp, ein weiterer Polizeistopp, ehe ich zum Immigration Office gelange wo ein halb blinder alter Beamter Ewigkeiten braucht um meinen Namen abzuschreiben.

Alle zwei, drei hundert Meter Halten, seine Geschichte erzählen, brav bedanken und zum nächsten Posten. Da gehen schon Mal zwei Stunden für zwei Kilometer drauf.
Ja, da ist man der völligen Willkür der Menschen ausgesetzt. Wenn nur einem deine Visage nicht gefällt hast du schnell ein Problem.

Welcome to Sierra Leone. Hier ist mal wieder als offizielle Landesprache Englisch angesetzt. Das macht’s für mich wieder etwas einfacher. Hier geht diese neue Straße weiter, führt bis nach Freetown rein.

Laute Reggae-Musik dröhnt überall vom Straßenrand. Wie vorher durch halb Guinee auch ohrenbetäubend, keine Ahnung wie die das so dicht neben den Brüllwürfeln aushalten.

Aber ein witziger Umgang mit den Jungs, alle wollen sie meine Story hören. Nach der Mittagspause bin ich auch gerne mal von einer Menschentraube umgeben. Aber he, die hören wirklich gespannt zu und stellen interessantere Fragen als „What’s your Name?“.

Von der Hauptstraße runter, auf den Weg der zum Flughafen führt. Die ersten zehn Kilometer Staubpiste. Gegenwind der den Dreck in die Augen bläst, riesige mit Schotter beladene LKWs.

Nach einigen Kilometern Lehmstaub fängt eine nagelneue Straße an. Gebaut von den Chinesen, daneben eine neue Eisenbahnlinie, auch ein chinesisches Projekt.

Super Straße mitten durch den Urwald, fast bis zur Fähre nach Freetown. Wohl schon sei einer geraumen Zeit im Bau, wenn man sieht wie lange zehn Afrikaner brauchen allein um einen Meter Fahrbahnmarkierung anzubringen.

Ein Teil der chinesischen Baufahrzeuge wird sogar von Chinesen gelenkt, mitten im Urwald ein riesiges umzäuntes Chinacamp mit roter Flagge.

So schön dieses Stück Straße, so runtergekommen die Fähre. Für 60 Cent darf ich dann Richtung Freetown.

Ein tolles Panorama vor mir, die Stadt die sich an einer Hügelkette aufreiht. Von der Fähre aus gesehen ein klasse Blick auf die Stadt. Eine der einzigen wirklichen alten Städte Afrikas mit einem echten alten historischem Stadtkern.

Die Fähre legt an und was einen erwartet ist ein Gewusel und Treiben, wie ich es noch nicht einmal aus Dakar kannte. Bunt, bunter, vollgestopft. Dabei muss ich meinen Blick immer auf die Straße richten, um nicht einen der Händler umzufahren oder einem Auto hintendrauf zu fahren.

Dazu Straßen die sich den Hügel hoch entlang und wieder runter schlängeln. Nach einer Stunde habe ich den Innenstadt Bereich hinter mir, an einer Bank ein Bündel Geld 400.000 Leonies rausgeholt, auf der Suche nach einem Guesthouse.

Zwei weiße Ladies die auf Treppenstufen neben der Straße sitzen. Ich halte an und wir kommen ins Gespräch.

Wie passend, zwei Deutsche. Sylvia die gerade hier einen kleinen deutschen Laden eröffnet, mit ihrer Freundin die schon seit Jahren hier ein Schulprojekt mit 250 Schülern betreut und auch unterrichtet.

So kommt’s das ich am Abend bei Martin lande, einem deutschen Autohändler der Toyota in Freetown vertritt.

Ich teile mit Colin, einem Kiwi, das Apartment. Ein Neuseeländer der vor fünf Jahren schon hier mit seinem Motorrad gestrandet ist. Die letzten Jährchen die verschiedensten Jobs im Norden Afrikas gemacht. Jetzt seit ein paar Monaten wieder in Freetown um seine Weiterreise zu organisieren.

Zu Dritt ziehen wir abends los, essen gut am Strand und für ein paar Bierchen in eine Bar.
Martin muss tags darauf arbeiten und ich hatte einen langen Tag. Der Kiwi bleibt bei den Ladies in der Bar.

Tief in der Nacht kommt Colin mit zwei Damen dann leicht angetrunken zurück.

Ich habe schon ein ungutes Gefühl, will aber nicht stören. Es kommt der Punkt wo er die beiden Damen rausschmeißt weil sie nur noch Bildschnitt reden und Geld haben wollen.

Aus Intuition greife ich zu meiner Lenkertasche.
Shit, meine Kamera! Sekundenschnell bin ich hellwach. Bis ich meine Schuhe finde vergehen weiter wertvolle Sekunden. Craig und die Jungs die unser Haus bewachen jagen den zwei Girls hinterher.

Leider erwischen wir nur eine. Die jetzt heult wie ein Schloßhund. Sie hatte Craigs Taschenmesser geklaut. Nach einiger Zeit sind es fast zwanzig Menschen auf der Straße und zig Stories. Wir suchen bei Dunkelheit die ganze Gegend ab, aber keine Kamera. Die Andere Aisha entwischt nur knapp.

Ausgerechnet meine Kamera, wer mich kennt weiß was mir Fotos bedeuten.

Ja, ich habe immer damit gerechnet hier beklaut zu werden. Trotzdem bin ich ganz schön angenervt. Ich könne Kotzen – dem Kiwi den Hals umdrehen.

Jetzt ist es eine echte Nachtaktion, das Mädel das sie erwischt hatten, abends darf sie erstmals zu den Militärs in Gewahrsam, aber dass ich wieder zu meiner Kamera komme glaube ich kaum.

Einer der vielen Starkregen bricht die Nachtsuchaktion ab. Wie ein nasser betröpfelter Pudel kehre ich in mein Apartment zurück.

Den nächsten Tag lerne ich Afrikanisch-Sierra-Leonische Bürokratie und Polizeiarbeit kennen.

Colin schafft es die andere Lady zu fangen und nun sitzen beide zeternd in Handschellen auf der Wache. Die Jetzige behauptet wiederum dass ihr die Kamera auf der Straße von einem Motorradfahrer abgenommen wurde.

Alles ein abgekartetes Spiel.

Stories after Stories die einem aufgetischt werden. Die Familien der Girls kommen und jammern rum wie arm sie sind. Alles ein abgekartetes Spiel, auch die Polizei die mit den Taschendieben Geschäfte macht.

Ja, wieder eine Geschichte, eins der nächtlichen Abenteuer auf die ich gerne verzichte.
Aber he, mit so was habe ich gerechnet.

Und he, mega nett: Gleich Stunden danach von anderen eine Ersatzkamera angeboten bekommen.

Echt nett, aber jetzt erst einmal schauen ob’s da nicht Wege gibt wieder zu meiner Kamera zu kommen, fast alles ist hier nur eine frage des Geldes :(

 

Ich bin gespannt wie es weiter geht.

Yakyakyak

Johannes

 

 

 

 

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